Verkehrsgutachten, Zählungen, Hochrechnungen, Prognosen
Optionen während der BaumaßnahmenSzenarien 2035
Vorwort
Wir versuchen an dieser Stelle den heutigen Verkehr und die Verkehrssituation während der Bauphase rund um das MD-Gelände und der Ostenstraße verständlich und klar darzustellen.
Wir haben das aktuelle Verkehrsaufkommen bestmöglich aus den uns vorliegenden Gutachten, Hochrechnungen, Zählungen und Prognosen ausgewertet, um eine Abschätzung des Verkehrs bis 2030 zu erhalten. Dabei haben wir auch die freundlichen Anmerkungen von Herrn Oberbürgermeister Florian Hartmann und der städtischen Tiefbauabteilung (Mail vom 17.03.2026) berücksichtigt.
Wir bedanken uns an dieser Stelle ausdrücklich für die Hinweise auf zu korrigierende Sachverhalte. Sollten sich wider Erwarten und trotz sorgfältiger Analyse doch noch Fehler oder Unklarheiten eingeschlichen haben, bitten wir darum, uns gerne zu kontaktieren info@zukunft-ostenstrasse.de. Herzlichen Dank dafür!
Gutachten
Die Stadt Dachau kann auf eine Reihe von Verkehrsuntersuchungen zurückgreifen und stellt einige in ihrem Internetportal öffentlich zur Verfügung.
Die folgende Tabelle zeigt eine Zusammenstellung einiger relevanter Dokumente, die für verschiedene Jahre Verkehrszählungen und -prognosen aufweisen und von uns ausgewertet wurden:
| Gutachten / Art | Autor (Jahr) | Zählung | Modell aus | Prognose für | Quelle |
|---|---|---|---|---|---|
| Verkehrserhebung durch Knotenpunktzählungen 2008 | INGEVOST (2008) | 21.06.2007 | Verkehrsuntersuchungen | ||
| Analyse auf der Basis einer amtlichen Verkehrszählung | KURZAK (2010) | 2010 (?) | 2010 | Ostumfahrung Dachau | |
| Verkehrsmodell 2014-2025 mit Umfahrungen | GEVAS (2014) | 24.07.2012 | 2012 | 2025 | Verkehrsmodell 2014 |
| Verkehrsgutachten MD-Gelände | PTV (2021) | 18.02.2020 | 2035 | PTV Gutachten | |
| Verkehrsgutachten Update | PTV (2026) | Kordonzählung 2025 | PTV Update Memo |
Insbesondere das gut dokumentierte PTV-Gutachten aus 2021 berücksichtigt auf der Basis einer Zählung aus 2020 explizit Szenarien, die sich aus verkehrstechnischer Sicht beim Ausbau des MD-Geländes ergeben können. Siehe hierzu: Szenarien 2035
Wie beurteilt man Verkehr?
Üblicherweise wird eine Verkehrsstärke pro Zeitspanne und Straßenquerschnitt zur Beurteilung eines Verkehrsstroms herangezogen. Zu den abgeleiteten Parameter zählen die "maßgebende stündliche Verkehrsstärke" (MSV), der "durchschnittliche tägliche Verkehr an Werktagen" (DTVw) und die "durchschnittliche tägliche Verkehrsstärke" DTV.
Ein durchschnittlicher Verkehrswert wird durch bestimmte statistische Verfahren aus Kurz- und/oder Langzeitzählungen hochgerechnet. Der DTV ist normalerweise gerundet auf 100 oder 500, um statistische Schwankungen und Zählfehler auszugleichen und die Vergleichbarkeit verschiedener Modelle zu ermöglichen. Zur Info siehe externe Links unter "Verkehrsanalyse" z.B. Methodikbericht Verkehrszählungen (BAST).
Da es sich beim DTV um einen hochgerechneten mittleren Tageswert für 24h handelt und z.B. nachts offensichtlich weniger Verkehr zu erwarten ist, beobachtet man tagsüber zeitweise mehr Verkehr als der DTV umgerechnet für die Beobachtungszeit angeben würde: es gibt die bekannten Spitzenzeiten morgens und abends oder auch an Freitagen mit viel Verkehrsaufkommen (MSV,DTVw).
Die stündliche Verkehrsmenge in der Spitzenzeit kann man nach Verkehrsstärke DTV - Wikipedia vereinfacht abschätzen. Zitat: "Bei einer Kurzzeitzählungen im Umfang der 4 Stunden von 15 Uhr bis 19 Uhr wird etwa ein Drittel der durchschnittlichen täglichen Verkehrsstärke (DTV in Kfz/24h) und die dreifache Menge der MSV (Kfz/Spitzenstunde) ermittelt. DTV ist also etwa 10-mal so groß wie MSV". Siehe auch Verkehrstechnik Heft V293 (Bast), Seite 18.
Die Verkehrsentwicklung ist prinzipiell schwierig vorherzusagen, weil Veränderungen in der Infrastruktur und in den Fahrgewohnheiten der Verkehrsteilnehmer zu neuen Verkehrszahlen führen.
Vereinfachte Faustformeln zur Abschätzung:
- Ein Drittel der täglichen Verkehrsmenge DTV tritt in den Spitzenzeiten jeweils zwischen 6 und 10 Uhr bzw. zwischen 15 und 19 Uhr auf.
- In einer Spitzenstunde erfolgt etwa 1/10 der täglichen Verkehrsmenge.
Verkehrsabschätzung bis 2030
Voraussichtlich ab 2030 wird die Freisinger Straße (Süd) vollständig gesperrt, um den dortigen Bahnübergang zu beseitigen. Dies wird zu erheblichen verkehrlichen Problem führen.
In der folgenden Tabelle ist die Verkehrsbelastung DTV in Kfz/24h (Werktagsverkehr) vergangener Jahre und prognostizierte Werte für verschiedene Straßen aus oben genannten Quellen zusammengefasst:
| Gutachten | Art/Quelle | für Jahr | FS Nord | FS Süd | OS Nord | OS Süd | EHS |
|---|---|---|---|---|---|---|---|
| INGEVOST (2008) | Zählung / S.22 | 2007 | 16500 | 15000 | 2500 | 2800 | 15500 |
| KURZAK (2010) | Modell / S. 44 | 2010 | 18200 | *15685 | 2100 | 2400 | 15000 |
| GEVAS (2014) | Zählung/Modell / Abb. 2 | 2012 | 16500 | 14500 | *2908 | 3000 | 15000 |
| PTV (2021) | Zählung / Abb. 9 | 2020 | 14700 | 11700 | 2600 | 3300 | 12700 |
| GEVAS (2014) | Modell / Abb. 3 | 2025 | 19500 | 18000 | 4500 | 5500 | 17500 |
| PTV (2021) | Planfall PF0 / Abb. 11 | 2035 | 18900 | 13600 | 3200 | 3700 | 15500 |
| PTV (2021) | Planfall PF6 / Tab. 6 | 2035 | 20200 | 9900 | 1800 | 12800 | 16000 |
(FS=Freisinger Straße, OS=Ostenstraße, EHS=Erich-Ollenhauer-Straße, *fehlender Wert wurde extrapoliert)
Bei Durchsicht dieser Gutachten zeigt sich, dass die Prognosen bzgl. des zu erwartenden Verkehrs in der Umgebung des MD-Geländes stark schwanken. Im folgenden soll nun versucht werden, die sich aus den öffentlich zugänglichen Zahlen abzuleitende Verkehrsentwicklung graphisch darzustellen und eine obere und untere Grenze des zu erwartenden Verkehrs für 2030 abzuschätzen.
Die folgende Abbildung zeigt den Verlauf der (gemessenen) Verkehrsbelastungen als "fette" Kurven, sowie linear in die Zukunft extrapolierte Verläufe (gelb und rot). Die gestrichelten Linien markieren die erwartete oder berechnete Zunahme des Verkehrs.
Im oberen Bereich der Abbildung ist die Verkehrsbelastung in der Freisinger Straße (Süd) dargestellt, die maßgeblich für den späteren Umleitungsverkehr sein wird.
- Obere Grenze: Die prognostizierte jährliche Verkehrssteigerung (gestrichelte blaue Gerade) ausgehend vom Zählwert 2020 beträgt nach im PTV-Gutachten aus 2021 auf Seite 39/40 etwa 1.5%. Damit können etwa 13600 Kfz/Tag in der Prognose des PTV Gutachten im "Nullfall" P0 ohne Baumaßnahmen in einer linearen Weiterentwicklung erwartet werden.
- Die - mittlerweile für den in Frage kommenden Zeitbereich veraltete - GEVAS Prognose (2014) berücksichtigte ein Wachstum nordwestlichen Raum und auch eine Besiedelung des MD-Geländes. Dies würde theoretisch zu etwa 17000 Kfz/Tag in der Freisinger Straße (Süd) führen, wenn man linear bis 2030 extrapoliert (ebenfalls etwa 1.5% Steigerung pro Jahr, grau gestrichelt).
- Untere Grenze: Es zeigt sich im wesentlichen eine Abnahme der Verkehrsbelastung, die sich linear extrapoliert aus den vorliegenden Zählungen ergibt. Insbesondere mit den 11700 Kfz/Tag aus der Zählung von 2020 (vor Corona) kann dies zu etwa 9100 Kfz/Tag im Jahr 2030 führen.
Im unteren Bereich der Abbildung erkennt man, dass das Verkehrsaufkommen in der Ostenstraße (Nord) mehr oder weniger konstant ist und bei etwa 2500-2600 Kfz/Tag stagniert.
Man kann eine Art Verkehrsumgebung für das MD-Gelände (rot markiert in der nächsten Abbildung) mit verschiedenen Zufahrten/Abfahrten an der Erich-Ollenhauer-Straße, der Freisinger Straße, der Mittermeyerstraße und der Ludwig-Thoma-Straße (grün markiert):
- Die langjährigen relativen Verkehrsanteile der Ostenstraße (Nord) und der Freisinger Straße (Süd) an der gesamten aufgetretenen Verkehrsmenge im "roten" Bereich sind weitgehend konstant bei etwa 3% bzw. 18%. Die gepunkteten weiße Geraden in der oberen Abbildung geben unter Berücksichtigung der allgemein beobachteten Abnahme des Gesamtverkehrs die jeweiligen Anteile wieder.
- Daraus würden sich bis 2030 etwa 2000 Kfz/24h in der Ostenstraße (Nord) bzw. 11100 Kfz/Tag in der Freisinger Straße (Süd) ergeben.
Verkehrsabschätzung für die Bauphase ab 2030
Während der Beseitigung des Bahnübergangs an der Freisinger Straße muss diese komplett gesperrt werden. Der Verkehr soll nach dem Willen der Bahn durch die Ostenstraße umgeleitet werden.
Die Bahn erwägt in diesem Zusammenhang eine Tieferlegung der Bahnunterführung in der Ostenstraße, um auch größeren Fahrzeugen (LKW, Busse, Feuerwehr) die Durchfahrt durch die Ostenstraße zu ermöglichen.
Bei Vollsperrung der Freisinger Straße sind verschiedene Szenarien hinsichtlich der zu erwartenden Verkehrsbelastung durch den anfallenden Umleitungsverkehr möglich.
Es werden von offizieller Seite insgesamt 9250 Kfz/Tag in der Ostenstraße erwartet, also 5900 Kfz/Tag zusätzlich. Die Zunahme entspräche nach der Zählung von 2020 etwa dem "halben" Verkehr (50%) in der Freisinger Straße von 11700 Kfz/24h.
Zitat: "Die Bauarbeiten für die Unterführung können grundsätzlich mit einer Behelfsumfahrung inklusive bauzeitlichem Behelfsbahnübergang oder - alternativ - unter Vollsperrung der Freisinger Straße ohne eine Behelfsumfahrung und ohne Behelfsbahnübergang stattfinden. Die Vollsperrung der Freisinger Straße würde nach Ansicht der Stadt eine Steigerung des täglichen Verkehrsaufkommens in der Ostenstraße von 3.350 Kfz/d auf etwa 9.250 Kfz/d bedeuten, was knapp einer Verdreifachung gleichkommt."
[Bahnübergang Freisinger Straße 2025]
Es ist uns hierbei nicht klar, woher der Wert von 3350 Kfz/Tag kommt. Größenordnungsmäßig entspricht das aber einer allgemein erwarteten Zunahme von 1,5 % pro Jahr, angewendet auf ca. 2600 Kfz/Tag der Ostenstraße (Nord)
Unsere Abschätzung für die Verkehrsbelastung zu Beginn des Bauphase des Tunnels an der Freisinger Straße geht vom
- Verkehrsanteil am Gesamtverkehr,
- dem PTV Nullfall 2035 und
- dem linearen Trend in der Freisinger Straße (s.o.) aus.
Bis auf die Vollsperrung der Freisinger Straße werden keine bauliche Veränderung an der Infrastruktur angenommen.
Die folgende Abbildung gibt die zu erwartende Verkehrbelastung in der Ostenstraße (Nord) wieder. Angenommen wird, dass von 2030 bis 2035 die Freisinger Straße gesperrt wird.
- Sollte es zu einer Tieferlegung der Unterführung Ostenstraße kommen, im Diagramm ewta 2027 bis 2030, würde der Verkehr in der Ostenstraße zunächst abnehmen. Danach würde der Umleitungsverkehr der Freisinger Straße zu einem (sprunghaften) Anstieg führen (gelbe Linie = normaler Verkehr Ostenstraße plus Umleitungsverkehr).
- "Oberste" Abschätzung: Die blaue gestrichelte Linie gibt die erwartete Steigerung des Verkehrs nach dem PTV Gutachten wieder. Zu den zu 2500 Kfz/Tag der Ostenstraße kämen die oben erwähnten 13600 Kfz/Tag der Freisinger Straße hinzu, macht etwa 16100 Kfz/Tag. Wir gehen bei dieser Schätzung theoretisch davon aus, dass der komplette Umleitungsverkehrs aus der Freisinger Straße durch die Ostenstraße geführt wird, was er voraussichtlich nicht wird. Der Verkehr wird sich sich wahrscheinlich auf einen niedrigeren Wert regulieren.
- Ein realistischerer Bereich für das Verkehrsaufkommen in der Ostenstraße für die Bauzeit 2030-2035 liegt zwischen:
- Obere Abschätzung: Der Bereich wird nach oben begrenzt durch die Entwicklung des langjährigen Verkehrs bzw. Anteile (gelb bzw. weiß-gepunktet): etwa 12000 Kfz/24h.
- Untere Abschätzung: Der Bereich wird nach unten begrenzt durch die Prognosen von Stadt (schwarz) und dem PTV Gutachten (grün): etwa 9000 Kfz/24h.
- Dieser Bereich entspräche insgesamt einer Verdreifachung bis zu einer knappen Verfünffachung des Verkehrsaufkommens.
Die folgende Tabelle verdeutlicht diese Zunahme umgerechnet auf durchfahrende Kfz pro Minute. Im Schnitt würden "tagsüber" in der Zeit von 6-22 Uhr statt 2,9 Kfz pro Minute bis zu etwa 14,0 Kfz pro Minute durch die Ostenstraße fahren (etwa 90% des DTV, obere Abschätzung). Den höheren durchschnittlichem Wert für eine Stunde in den Spitzenzeiten von 6-10 Uhr bzw. von 15-19 Uhr kann man nach einer Faustformel abschätzen, siehe oben unter "Wie beurteilt man Verkehr?"
| 100% DTV 0-24h |
90% DTV tagsüber 6-22h |
10% DTV Spitzenstunde zwischen 6-10h bzw. 15-19h |
||
|---|---|---|---|---|
| DTV [Kfz/24h] | Kfz/min | Kfz/min | Kfz/min | |
| 2000 | 1,4 | 2,3 | 3,3 | |
| 2500 | 1,7 | 2,9 | 4,2 | Ostenstraße heute |
| 9000 | 6,3 | 10,3 | 15,0 | untere Abschätzung |
| 12000 | 8,3 | 14,0 | 20,0 | obere Abschätzung |
| 16100 | 11,1 | 18,8 | 26,8 | "oberste" Abschätzung |
Zusätzlich käme noch der Bauverkehr für das MD-Gelände hinzu, sowie der Verkehr bei einer eventuellen Bebauung des MD-Sportplatzes. Wobei man sagen muss, dass der Bauverkehr während der Sanierung des MD-Geländes ohne Durchfahrt zur Ostenstraße (Nord) abgewickelt werden konnte. Siehe auch unter Szenarien 2035: Der MD-Verkehr "alt" wird auf ca. 400-800 Kfz/Tag geschätzt.
Nicht berücksichtigt sind zusätzliche externe Verkehrsaufkommen, die z.B. durch die Teil-Sperrung des Allacher Autobahntunnels (Bauzeit 8 Jahre) entstehen könnten.
Ein neuerliche, von der Stadt veranlasste (Kordon-) Zählung im Jahr 2025 zeigt einen stagnierenden oder leicht rückläufigen Verkehr:
Im Vergleich der Zähldaten 2020 und 2025 wird deutlich, dass diese auf einem ähnlichen Niveau liegen, zumeist liegen die Zähldaten 2025 sogar unter dem Niveau von 2020 ... Zusammenfassend kann aus den vorliegenden Auswertungen festgestellt werden, dass nicht zu erwarten ist, dass die Prognosezahlen 2035 von der Entwicklung der Verkehrsmengen übertroffen werden.
(Zitat Seite 6: PTV Update Memo)
Wieviel Umleitungsverkehr die Ostenstraße schließlich aufnehmen muss, ist ungewiss. Ein Teil davon wird sich vermutlich auch auf andere Straßen verlagern. Höhere Zahlen für den Umleitungsverkehr (mehr als 16-20000 Kfz/24h) sind rein theoretisch. Solch ein hoher Verkehr hätte kaum eine Ausweichmöglichkeit, schon gar nicht durch die Ostenstraße.
Wir meinen:
- Prozentual ausgedrückt könnte sich der Verkehr in der Ostenstraße (Nord) bei Baubeginn 2030 damit um bis zu 500% erhöhen.
- Es besteht große Unsicherheit über den zu erwartenden Verkehr: zwischen durchschnittlich 6500 bis 10500 Kfz/Tag zusätzlich gegenüber gegenüber den langjährigen Mittel der Ostenstraße (Nord).
- Die geplante Beseitigung des Bahnübergangs und Bebauung des MD-Geländes werden nicht nur erhebliche Auswirkungen auf die Ostenstraße haben. Der gesamte Verkehr in Dachau wird Einschränkungen hinnehmen müssen. Je nach zusätzlichem Szenario kann es leicht zu einer Art verkehrstechnischer „GAU“ für mindestens 8-9 Jahre kommen.
