Szenarien 2035
Planfälle PTV Gutachten
Im PTV Verkehrsgutachten werden auf der Basis der Verkehrszählung von 2020 in Abstimmung mit der Stadt und früherer Gutachten eine Reihe von Szenarien simuliert. Ausgehend von der Zählung in 2020 = Analysefall ziehen die Gutachter ab Seite 19 folgende Planfälle in Betracht:
| Planfall | Beschreibung |
|---|---|
| P0 | Progose für 2035 ohne irgendwelche Massnahmen "Nullfall" |
| PF1 | P0 plus MD Verkehr (alt) ohne Bebauung MD-Gelände |
| PF2 | P0 plus MD Verkehr (alt) und Teilbebauung MD-Gelände |
| PF3 | Bauphase P0 mit Vollsperrung Freisinger Straße |
| PF4 | Bauphase PF1 mit Vollsperrung Freisinger Straße |
| PF5 | Bauphase PF2 mit Vollsperrung Freisinger Straße |
| PF6 | Endzustand 2035 |
Die Tabelle 6 auf Seite 21 des PTV Gutachtens stellt die erwartbare Verkehrsbelastung 2035 des Verkehrszuwachses für verschiedene Straßen und Bauphases dar:
| Nr. | Straße | Nullfall 2035 | PF1 | PF2 | PF3 | PF4 | PF5 | Endzustand |
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| 1 | Freisinger Straße (Nord) | 18900 | 19000 | 19000 | 15000 | 15000 | 15000 | 20200 |
| 2 | Erich-Ollenhauer-Straße | 15500 | 15800 | 16300 | 15900 | 15900 | 16400 | 16000 |
| 3 | Ostenstraße (Nord) | 3200 | 3600 | 4000 | 8800 | 9000 | 9300 | 1800 |
| 4 | Ostenstraße (Süd) | 3700 | 5100 | 6600 | 8800 | 10200 | 11900 | 12800 |
| 5 | Ludwig-Thoma-Straße (Süd) | 24100 | 24800 | 26300 | 21000 | 21700 | 23200 | 28500 |
| 6 | Ludwig-Thoma-Straße (Mitte) | 23500 | 23600 | 24200 | 23700 | 23800 | 24400 | 19000 |
| 7 | Mittermayerstraße | 7900 | 7900 | 8500 | 900 | 900 | 1100 | 9300 |
| 8 | Freisinger Straße (Süd) | 13600 | 13600 | 14400 | 0 | 0 | 0 | 9900 |
Um die vielen Zahlen in der Tabelle auf das für die Ostenstraße wesentliche zusammenzufassen:
- Prognose für 2035 ohne alles: 3200 Kfz/Tag
- MD-Verkehr alt: zusätzlich 400-800 Kfz/Tag zur Prognose P0 2035
- Vollsperrung Freisinger Straße unterschiedliche Bauzustände: 8800-9300 Kfz/Tag in der Ostenstraße (Nord).
- Endzustand 2035 vollständige Bebauung des MD-Geländes und Bahnrandstraße: 1800 Kfz/Tag in der Ostenstraße (Nord).
Der MD-Verkehr (alt) wird hinzugerechnet um - je nach Ausbaugrad des MD-Geländes - dem zusätzlichen Verkehr in das und aus dem Gelände heraus Rechnung zu tragen.
Im Endzustand 2035 geht das Gutachten von einem Anschluß der geplanten Bahnrandstraße an die Freisinger Straße aus.
Die verkehrstechnisch kritischen Punkte im Umfeld MD-Gelände sind nach dem Gutachten:
- der Verkehrsknoten nördlich des MD-Geländes,
- die Kreuzung mit der Ostenstraße (Süd) mit der Ludwig-Thoma-Straße,
- die Rad- und Fußwegführung an diesen Stellen.
Endzustand 2035 oder später?
Für den zukünftigen Verkehr im Endzustand PF6 werden verschiedene Unteroptionen für die Ostenstraße (Nord) diskutiert:
- eine "autofreundlichen" Option,
- die dauerhaften Sperrung der Unterführung für Autos,
- die Ostenstraße (Nord) als verkehrsberuhigte Straße,
- die Ostenstraße (Nord) als Fahrradstraße.
Die folgende Abbildung zeigt die mögliche Verkehrsführung rund um das MD-Gelände im Endzustand 2035. Die roten Kreise markieren die obenerwähnten, verkehrskritischen Punkte, die neu gestalten werden müssen, sowie den Anschluß der Ostenstraße (Nord) an die Bahnrandstraße (Planfälle Unteroptionen).
Die "autofreundliche" Kfz-Führung wird im PTV Gutachten (Gesamtfazit Arbeitsstand Planfälle 6a-6e, Seite 47) wie folgt beurteilt:
Zitat: "Das geplante Verkehrsnetz rund um das MD-Gelände ist stark ausgelastet ... Nur mit dem „Kfz-freundlichen“ Planfall 6 ist es möglich, die Prognosemengen abzuwickeln".
Auf Seite 39 des Gutachtens wird ein reduzierter Planfall PF6 im Endzustand mit einem reduzierten Zuwachs von 0.77% pro Jahr diskutiert (anstatt den oben erwähnten 1.5%), die sich aufgrund von Änderungen im Mobiltätsverhalten und dem eventuellen Einfluß der Corona-Krise auf die Verkehrsentwicklung auswirken:
Zitat: "Sofern die für das Jahr 2035 prognostizierten Gesamtverkehrssteigerungen unter den damals bekannten Randbedingungen eintreten, ist der Bereich um das MD-Gelände in den Spitzen in einem kritischen Lastbereich. Es gilt jedoch zu hinterfragen, ob die Steigerungen angesichts verstärkter Bestrebungen zur Mobilitätswende, verändertem Mobilitätsverhalten durch Homeoffice sowie den Auswirkungen der Corona-Krise und des Ukraine-Kriegs tatsächlich in dieser Höhe eintreten werden."
In der Sitzung des städtischen Bau- und Planungsausschusses vom 27.06.2023 [Gesamtdokument ab Seite 15] wurden zudem verkehrslenkende /-regelnde Maßnahmen in der Ostenstraße (Nord) im Endzustand diskutiert:
- Zitat 1: "...die Sperrung der Ostenstraße an der Bahnunterführung für motorisierten Durchgangsverkehr, wobei Fuß- und Radverkehr, sowie Fahrten von Rettungskräften erlaubt bleiben. (Modaler Filter)"
- Zitat 2: "Die Ausweisung einer Fahrradstraße erscheint aus verkehrsrechtlichen Gründen im Vergleich zu einem modalen Filter eher möglich."
- Zitat 3: "Es lässt sich feststellen, dass eine Ausweisung als verkehrsberuhigter Bereich keine nennenswerte andere Verlagerungswirkung gegenüber einer Fahrradstraße hat."
- Zitat 4: "Die Ausweisung als verkehrsberuhigter Bereich erscheint aus verkehrsrechtlichen Gründen im Vergleich zu einem modalen Filter eher möglich, aber durch den notwendigen baulichen Eingriff vergleichsweise unwirtschaftlich."
Wir meinen
- Angesichts der vorliegenden Prognosen und Schätzungen ist zweifelhaft, ob die bisher diskutierten Verkehrsführungen allein ausreichen, um den Verkehr zu bewältigen.
- Die Ostenstraße als Fahrradstraße auszulegen führt nicht zu weniger Autoverkehr als eine verkehrsberuhigten Zone. Eine Umgestaltung zur verkehrsberuhigten Zone führt aber zu Schritttempo, weniger Parkplätzen und teurer baulicher Umgestaltung, auch in den Nebenstraßen (unter finanzieller Beteiligung der Anwohner?).
- Für den Fahrradverkehr durch die Ostenstraße sind Alternativen entlang der Rosenstraße und dem linken Amperufer denkbar. Das Problem scheint die Anbindung in der Ostenstraße (Süd) zu sein.
Abschluss
Die folgende Abbildung ist dem von der Stadt veröffentlichen Dokument: MD-Papierfabrik - Leitlinien Zukunftsquartier (2024)
entnommen (Seite 20). Sie zeigt, wie das Wegenetz im MD-Viertel nach Beendigung der Bauphase aussehen könnte mit Tunnel, Bahnrandstraße und Bebauung.
Insgesamt gesehen ist die Planung unter Berücksichtigung aller rechtlichen Vorgaben nicht trivial.
Ambitioniert, aber machbar und wichtig für die Stadt, sind ein guter Zeit- und Ablaufplan für alle Vorhaben einschließlich der Bebauung des MD-Geländes:
- die Beseitigung des Bahnübergangs Freisinger Straße,
- mit einer Behelfsumgehung unter Berücksichtigung der Bahnrandstraße, sowie
- die großräumigen Lenkung des Durchgangsverkehrs während und nach den Vorhaben.
Notwendig ist die Entwicklung und Umsetzung eines vernünftigen Verkehrskonzeptes für die Stadt und das Umland.
